Am 11. Dezember 1994 rollten die ersten russischen Panzer nach Tschetschenien. Die Unabhängigkeitsbestrebungen des Landes waren der Führung in Moskau ein Dorn im Auge. Der Sturm auf die tschetschenische Hauptstadt Grosny und zwei kurz aufeinander folgende Kriege haben tiefe Wunden geschlagen.

„Onkel, Onkel! Hilf, ich zeig dir den Weg! Wohnung 22. Onkel, da liegt mein Opa!“

Fernsehbilder der BBC vom Dezember 1994. Seit Tagen bombardiert die russische Armee Grosny, die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Flammen versengen einen leblosen Körper am Boden, Autos brennen, schwarzer Qualm steigt auf. Der kleine Junge steht verzweifelt zwischen den Wracks. BBC-Reporter Robert Parsons berichtet direkt aus dem Kriegsgebiet.

„Wo ich stehe, wurden mindestens zwei Menschen getötet, unschuldige Passanten. Viele wurden verwundet. Die russische Regierung behauptet, strategische Ziele anzugreifen, aber vor Ort sieht es ganz anders aus.“

Der Konflikt zwischen der Nordkaukasusrepublik Tschetschenien und der Zentralmacht in Moskau hatte sich seit dem Beginn der 1990er-Jahre zugespitzt. Damals brach die Sowjetunion auseinander und ehemalige Sowjetrepubliken wie Georgien, Kasachstan oder die Ukraine erklärten sich für unabhängig. Tschetschenien war zu Sowjetzeiten – gemeinsam mit dem Nachbargebiet Inguschetien – ein autonomes Gebilde innerhalb der Russischen Sowjetrepublik.

Ende 1991 wählten die Tschetschenen einen eigenen Präsidenten, Dschochar Dudajew, und riefen eine unabhängige Republik „Itschkerien“ aus. Die Führung in Moskau erkannte das nicht an, aber sie begann zu verhandeln. Die Russin Jekaterina Sokirjanskaja beschäftigt sich seit rund 15 Jahren mit dem Nordkaukasus. Sie leitet das Zentrum für Konfliktanalyse und Prävention in Russland.

Wurzeln des Konflikts liegen in der Stalinzeit

„Was kaum jemand weiß: Das waren mit die längsten Verhandlungen über Separationsfragen im postsowjetischen Raum. Sie liefen fast drei Jahre.“

Um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Tschetschenen zu verstehen, muss man zurückblicken in die Stalinzeit. Der sowjetische Diktator ließ am Ende des Zweiten Weltkriegs hunderttausende Tschetschenen nach Zentralasien deportieren. Der Vorwurf: Sie hätten mit den Deutschen kollaboriert. Manchen Schätzungen zufolge kam damals etwa ein Viertel der Tschetschenen ums Leben. 1957 durften die Überlebenden nach Tschetschenien zurückkehren. Erst als die Sowjetunion auseinanderbrach, konnte öffentlich über die Verbannung gesprochen werden.

Als der Erste Tschetschenienkrieg begann, war die Soziologin Lidia* Anfang 30 und unterrichtete an der Pädagogischen Universität in Grosny.

„Ich bin damals oft zu Kundgebungen gegangen. Dort erinnerten Dichter und Schriftsteller an das Drama der Verbannung; sie beklagten, dass die tschetschenische Intelligenz zu Sowjetzeiten nicht an den Technischen Hochschulen zugelassen wurde. Ein Tschetschene durfte nicht Rektor sein, konnte nicht Parteivorsitzender sein. Das war wirklich so. All das hatte sich aufgestaut.“

Der Präsident Dschochar Dudajew war ein guter Verhandler. Aus seinem Umfeld heißt es, man sei sich mit der Regierung in Moskau in fast allen Punkten einig geworden. Doch plötzlich wurden die Verhandlungen abgebrochen. Russlands Präsident Boris Jelzin entschied sich für einen Militäreinsatz. Er tat dies, um von anderen Problemen abzulenken, sagt die Nordkaukasus-Expertin Sokirjanskaja. Am 11. Dezember 1994 rollten erste Panzer nach Tschetschenien.

Die Regierung in Moskau sprach von einem „Polizeieinsatz zur Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung“.

Silvester 1994 war der Krieg wenige Wochen alt. Das Fernsehen sendete die Neujahrsansprache von Präsident Boris Jelzin:

„Für mich gibt es keine wichtigere Aufgabe im kommenden Jahr als Frieden und normales Leben in Tschetschenien, Nordossetien und Inguschetien wieder herzustellen.“

Am selben Tag begannen die föderalen Kräfte mit dem Sturm auf die tschetschenische Hauptstadt Grosny.

Die Wissenschaftlerin war über die Feiertage mit ihrer Familie aufs Land gefahren.

„Wir waren 40 Kilometer von Grosny entfernt. Wir haben das Geschützfeuer, das Grollen, gehört, und wir konnten nicht begreifen, ob das ein Gewitter war oder nicht? Als wir morgens zurück in die Stadt kamen, bot sich uns ein Bild wie aus einem Horrorfilm. Überall lagen Leichen. Sie trieben auch im Fluss Sunscha. Besonders ein Bild hat sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Da lag ein Fuß herum. Es war offenbar der Fuß eines Mannes, denn es war ein Männerschuh daran.“

Russland betrachtete den Krieg als innere Angelegenheit

Der Kampf um Grosny dauerte mehrere Tage. Wach-Hadsch Issajew hatte sich damals mit anderen tschetschenischen Kämpfern in einem Regierungsgebäude verschanzt. Heute lebt er in Westeuropa.

„Wir haben eingesalzene Tomaten gegessen und waren sehr durstig, hatten aber kein Trinkwasser. Deshalb ging ich mit einem Kameraden Wasser holen. Wir sind durch ein Fenster hinausgekrochen. Der Fluss Sunscha war in der Nähe. Als wir dort hinliefen, hörte ich das Flugzeug. Während wir uns Wasser nahmen, warf es mich in den Fluss. Das Gebäude war getroffen. Von unseren Leuten hat es fast alle erwischt.“

Der Krieg gegen die eigene Bevölkerung belastete das Verhältnis Russlands zum westlichen Ausland. Boris Jelzin hatte die Auflösung der Sowjetunion mit vorangetrieben und durch sein entschiedenes Auftreten beim August-Putsch 1991 in Moskau verhindert, dass alte Sowjetkader die Macht wieder übernahmen. Westliche Regierungen unterstützten ihn. Nun aber bestimmten Kriegsbilder die Nachrichten aus Russland.

Die EU stornierte ein bereits unterzeichnetes Partnerschaftsabkommen mit Russland. Sie forderte Russland auf, die Kämpfe einzustellen, verurteilte die Menschenrechtsverletzungen und verlangte von der russischen Regierung, OSZE-Experten ins Kriegsgebiet zu lassen.

Training für die Sicherheitskräfte

Die russische Führung hingegen betrachtete den Tschetschenienkrieg als innere Angelegenheit. In den ersten Wochen stockte Jelzin die Truppen von anfangs offiziell gut 20.000 auf offiziell 70.000 Mann auf. Darunter waren nicht nur Soldaten. Auch das Innenministerium war beteiligt, mit einfachen Milizionären und Kämpfern der Eliteeinheiten OMON und SOBR. Dazu schickte der Inlandsgeheimdienst Truppen. Die Verantwortlichen sahen den Tschetschenienkrieg als willkommenes Training für ihre eigenen Leute, sagt Alexander Scharkowskij, Militärexperte der Nesavissimaja Gaseta in Moskau.

„Die Führungen des Innenministeriums, des Verteidigungsministeriums und des Geheimdienstes wollten, dass so viele ihrer Leute wie möglich im Tschetschenienkrieg unter Beschuss gerieten, damit sie Kampferfahrung bekommen.“

Trotz der Übermacht erlitten die russischen Truppen eine Niederlage nach der anderen. Die Verluste waren enorm. Genaue Zahlen gibt es bis heute nicht.

Fehden zwischen den Ressorts

Die russische Armee war damals eigentlich nicht in der Lage, einen Krieg zu führen, so schlecht war ihr Zustand nach dem Ende der Sowjetunion. Das betraf nicht nur die Ausrüstung. Moskau schickte sogar Wehrpflichtige in den Kampf – Kanonenfutter. Moskaus Truppen seien aber vor allem schlecht organisiert gewesen, sagt der Militärexperte Scharkowskij.

„Die Kommandeure waren sich nicht einig. Die Fehden zwischen den einzelnen Ressorts störten beim Kampf. Zum Beispiel war im Ersten Tschetschenienkrieg ein Batallion der Marineinfanterie am Sturm auf Grosny beteiligt. Einem der Kommandeure der Marineinfanterie kam es in den Kopf, ein feindliches Minenfeld freizusprengen. Die abgefeuerten Granaten landeten genau auf der Position der Dserschinskij Division des Innenministeriums. Nach der Explosion waren mehr als 70 Mann tot.“

Angesichts des Sterbens beschlossen Soldatenmütter, etwas zu unternehmen. Im März 1995 marschierten sie zu Fuß nach Grosny. Eine von ihnen war die Moskauerin Anna Pljassetskaja, damals 50 Jahre alt.

Der erste Krieg endete 1996

„Dabei waren Buddhisten, Christen mit Ikonen in den Händen und tschetschenische Frauen. Es war eine sehr lange Kolonne mit Plakaten und Transparenten. Wir hofften natürlich, den Krieg stoppen zu können. Die größte Schuld an diesem Krieg trägt Jelzin. Wir haben ihn auch so genannt: Den „blutigen Jelzin“.

Pljassetskaja hatte wenige Wochen zuvor ihren Sohn Nikolaj in Tschetschenien verloren. Er starb beim Sturm auf Grosny, im Alter von 19 Jahren, ein Wehrpflichtiger. Das Verteidigungsministerium weigerte sich, seinen Leichnam nach Moskau zu schicken, behauptete seiner Mutter gegenüber, Nikolaj sei verschollen. Pljassetskaja machte sich selbst auf die Suche, erst in Tschetschenien, dann in Rostow am Don in Südrussland, wohin die Toten gebracht wurden.

„Es waren sechs Waggons, in jedem lagen etwa 50 Körper. Und dann gab es noch eine Zeltstadt beim Hospital. Dort standen auch noch etwa sechs Zelte mit Leichnmen.“

Nikolaj war nicht darunter, aber er war auch nicht verschollen. Das Verteidigungsministerium hatte ihn verwechselt und seinen Leichnam weit in den Osten Russlands, in die Altai-Region, geschickt. Dort hatten ihn fremde Leute beigesetzt. Pljassetskaja erfuhr das nur durch Zufall. Der Fall war symptomatisch für den Umgang der russischen Armee mit ihren Wehrpflichtigen.

Während die russischen Soldaten oft unfreiwillig kämpften, waren die tschetschenischen Rebellen hoch motiviert und äußerst beweglich. Der ehemalige Kämpfer Wach-Hadsch Issajew schildert es so:

„Jedes Haus stand dir offen, um zu essen, zu schlafen, dich auszuruhen. Russland hatte damals noch keinen großen Einfluss in Tschetschenien. Die übergroße Mehrheit der Tschetschenen war für die Unabhängigkeit. Wir waren geeint. Deshalb gab es für uns nur eines: Voran!“

Der Erste Tschetschenienkrieg endete nach fast zwei Jahren am 31. August 1996 mit dem Friedensschluss von Chassawjurt. Auf tschetschenischer Seite unterzeichnete ihn Aslan Maschadow. Der gemäßigte Feldkommandeur war Stabschef der tschetschenischen Armee. Der tschetschenische Präsident Dschochar Dudajew war bei einem gezielten Raketenangriff der Russen getötet worden.

Die Frage des Status Tschetscheniens wurde vertagt. Für Präsident Jelzin war das eine Niederlage.

Den Menschen in Tschetschenien brachte der Friedensschluss keinen Frieden. Entführungen und Morde waren an der Tagesordnung. Den Tschetschenen gelang es nicht, einen funktionierenden Staat aufzubauen, sagt die Nordkaukasus-Expertin Jekaterina Sokirjanskaja:

„Ein Staat ist mehr als Ideologie. Man muss eine Bürokratie aufbauen, funktionierende Institutionen, die Wirtschaft. Es ist Routinearbeit. In all dem hatten die Tschetschenen keine Erfahrung, denn sie hatten zu Sowjetzeiten keine Führungspositionen inne.“

Beten aus Todesangst

Dazu kam eine fortschreitende islamistische Radikalisierung. Die Tschetschenen sind Muslime. Im ersten Krieg hatte Religion noch keine Rolle gespielt. Viele Tschetschenen hätten nicht einmal gewusst, wie man richtig betet, erzählt Sokirjanskaja.

„Die Menschen haben mir in Interviews erzählt, dass sie in den Kellern aus Todesangst angefangen haben zu beten.

Und dann kamen äußere Faktoren dazu, radikale Kämpfer aus dem Ausland. Nach dem ersten Krieg haben sie Ausbildungslager eingerichtet. Dort wurden tausend Leute gleichzeitig der sehr radikalen islamistischen Ideologie ausgesetzt und lernten, Minen zu legen und zu räumen und Sprengsätze zu bauen.“

Radikale Islamisten begannen, den traditionellen tschetschenischen Islam, den Sufismus, zu verdrängten. Der gemäßigte Aslan Maschadow, zwischen den Kriegen zum Präsidenten gewählt, hatte nicht die Autorität, das zu verhindern. Radikale Feldkommandeure wie Schamil Bassajew sammelten Anhänger.

„Es begann ein Wettkampf darum, wer der bessere Moslem ist. All das führte leider dazu, dass 1999 die Verfassung Tschetscheniens in Richtung Scharia geändert wurde.“

Alles innerhalb des russischen Rechtsraums.

Erneuter Einmarsch in Tschetschenien

Im selben Jahr fiel der radikale tschetschenische Feldkommandeur Bassajew mit mehreren tausend Mann in der Nachbarrepublik Dagestan ein. Es gibt Hinweise darauf, dass er dafür von russischer Seite bezahlt wurde: Von Kräften, die einen erneuten Krieg in Tschetschenien wollten. Moskau reagierte mit Luftangriffen auf den Überfall. Wenige Wochen später kam es in Moskau und anderen russischen Städten zu einer Serie von Anschlägen auf Wohnhäuser. Dabei starben rund 300 Menschen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits Wladimir Putin Premierminister Russlands. Wenige Monate später sollte er Boris Jelzin an der Staatsspitze beerben. Putin machte Tschetschenen für die Anschläge verantwortlich und kündigte an, sie mit aller Härte zu bekämpfen.

„Wir werden die Terroristen überall verfolgen. Wenn sie, Entschuldigung, auf der Toilette sind, werden wir sie auf dem Klosett kaltmachen.“

In Russland kamen solche markigen Worte gut an, Putins Popularität stieg. Bis heute halten sich Gerüchte, der russische Geheimdienst habe diese Explosionen organisiert, um Russland einen Vorwand für einen erneuten Feldzug gegen Tschetschenien zu liefern. Dazu Jekaterina Sokirjanskaja:

„Ich weiß nicht. Wir werden das wohl nie erfahren. Ich mag keine Verschwörungstheorien, aber bestimmte Sachen kann man auch nicht ausschließen.“

Im Herbst 1999 marschierte die russische Armee erneut in Tschetschenien ein. Der zweite Krieg begann. Offiziell wurde er Antiterroraktion genannt.

Zweiter Krieg ab 1999

Auf tschetschenischer Seite kämpften nun radikale Islamisten, unterstützt von ausländischen selbsternannten Gotteskriegern. Ihre Radikalität war zugleich ihre Schwäche. Denn nicht alle Tschetschenen unterstützten die radikalen Islamisten, die immer öfter auch Selbstmordattentate begingen. Der Widerstand gegen den radikalen Islamismus wuchs.

Die russischen Kräfte ihrerseits gingen im Zweiten Tschetschenienkrieg entschiedener vor als im Ersten, sagt der Militärexperte Alexander Scharkowskij:

„Die Artillerie wurde massiver eingesetzt, ebenso die Luftwaffe mit ihren Jagd- und Kampfbombern.“

Der russische Geheimdienst verhinderte, dass Journalisten in dem Ausmaß wie im ersten Tschetschenienkrieg aus dem Kriegsgebiet berichteten. Ausländische Reporter reisten allenfalls inkognito nach Tschetschenien und liefen zusätzlich Gefahr, von tschetschenischen Islamisten entführt zu werden. Angesichts fehlender Öffentlichkeit wuchs die Willkür. Tschetschenen berichteten von Folter und von Verbrechen an der Zivilbevölkerung.

Der Zweite Tschetschenienkrieg dauerte offiziell bis 2009. In seinem Verlauf gelang es Russland, einen moskautreuen Vasallen als Republikchef zu installieren: Den ehemaligen Mufti Tschetscheniens, Achmat Kadyrow. Anfang der 1990er-Jahre hatte er noch zum „Heiligen Krieg“ gegen Russland aufgerufen, später dann die Seite gewechselt. 2004 kam er bei einem Anschlag ums Leben.

Regierung Kadyrow

Danach baute die russische Regierung seinen Sohn Ramsan Kadyrow zum Chef der Republik auf. Kadyrow betont stets seine Loyalität zu Russlands Präsident Putin, wie hier bei Radio Swoboda.

„Putin ist mein Idol. Ich liebe ihn. Ich achte ihn. Ich gebe mein Leben für ihn. Ich hätte gern, dass er sein Leben lang Präsident Russlands ist.“

Ramsan Kadyrow regiert diktatorisch. Ihm ist es gelungen, den bewaffneten Untergrund mit äußerster Gewalt zurückzudrängen. Unter dem Deckmantel des Antiterrorkampfes geht er aber auch gegen friedliche Oppositionelle vor.

In Tschetschenien erinnert heute nur wenig an den Krieg. Die Stadt Grosny ist wieder aufgebaut, mit Hochhäusern und einer prächtigen Moschee im Stadtzentrum. Die Republik erhält jährlich hunderte Millionen Euro Finanzhilfen aus dem russischen Staatshaushalt. Doch im Bewusstsein der Menschen sei der Krieg allgegenwärtig, meint die Soziologie-Professorin Lidia.

„Meine Studenten haben die klaffenden Wunden des Krieges erlebt. So etwas kann man nicht aus dem Gedächtnis löschen. Eine andere Frage ist, wie der Krieg offiziell interpretiert wird. Es heißt, es seien Salafisten aus dem Ausland gekommen. Sie hätten die Gesellschaft mit ihrer Ideologie infiziert und für Zwist gesorgt.“

Darüber, dass sogar Mitglieder der heutigen Machtelite im Ersten Tschetschenienkrieg zum Kampf gegen Russland aufriefen, wird offiziell nicht gesprochen.

Kritik an Kadyrow und der russischen Regierung bleibt Tschetschenen im Exil vorbehalten. Zehntausende sind während der Kriege und danach nach Westeuropa geflohen. Doch selbst hier wurden Kritiker des Kreml bedroht und ermordet, Anhänger eines unabhängigen Tschetschenien eingeschüchtert. Die Nordkaukasus-Expertin Sokirjanskaja stellt fest:

„Die Traumata des Krieges sind immer noch nicht überwunden. Der Konflikt wurde nicht gelöst. Es gab keine Aussöhnung. Sie hat nicht mal begonnen. In den Köpfen ist der Krieg noch nicht beendet.“

* Anmerkung der Redakion: Nachname ist der Redaktion bekannt.

Gesine Dornblüth

Original Source: Deutschlandfunk